„Und wieder ein Post über KI.“, „KI, KI, KI - ich kann es nicht mehr hören.“ oder „Gibt es hier eigentlich noch irgendwas ohne KI?“
Solche Sätze liest man heute überall. Wer die Anfangszeit des Internets erlebt hat, hat da bestimmt ein Déjà-vu. Ende der 90er war das Internet noch eine große Unbekannte. Plötzlich wollte jedes Unternehmen eine Homepage. Auf jedem Werbeplakat stand „www“. Und bei dem Begriff „Datenautobahn“ haben die Leute irgendwann nur noch mit den Augen gerollt.
Damals waren es blinkende Webseiten in grellen Farben, erstellt mit dem Netscape Composer. Heute sind es überladene KI-Grafiken, alle im gleichen Stil, und ausschweifende KI-Texte, bei denen man nach drei Zeilen schon an TL;DR denkt. Ein Kürzel, das man auch noch aus den frühen Internetzeiten kennt: „Too long, didn’t read“. Zu lang, nicht gelesen. Und das trifft es eigentlich ganz gut. Einmal durch Facebook, Instagram oder LinkedIn scrollen und gefühlt sind 90 Prozent der Bilder und Texte nur noch KI-generiert. Man scrollt einfach weiter.
Pinterest war eine der ersten Plattformen, die so von KI-Bildern überschwemmt wurde, dass inzwischen das ganze Konzept infrage steht. Wer dort Inspiration für die eigene Wohnung, ein Rezept oder ein Outfit sucht, findet immer öfter Dinge, die es gar nicht gibt. Spotify wird mit KI-Liedern „zugesloppt“ und über YouTube und TikTok brauchen wir ja gar nicht erst zu reden. Selbst auf Reddit, eigentlich der Ort für echte Diskussionen unter Menschen, werden inzwischen KI-generierte Posts mit ebenfalls KI-generierten Antworten beantwortet. Da reden dann Maschinen miteinander und wir schauen zu.
Mir stellt sich da halt die Frage: Ja, wer soll das alles lesen? Wer soll sich das anschauen? Und vor allem: Warum? Heute googelt kaum noch jemand, wenn er etwas wissen will. Stattdessen fragt man direkt ChatGPT. Jede Frage oder jedes Verständnisproblem landet eh als Prompt bei der KI. Ist die Antwort zu ausführlich, lässt man sie kürzen. Die ganzen Bilder kann sich auch jeder selbst generieren lassen. Warum also überhaupt den Umweg?
Eigentlich könnte man gleich die Prompts statt der fertigen Texte und Bilder posten. Dann kann sich jeder die Informationen direkt von der KI in der gewünschten Länge und Form ausgeben lassen. Wozu dieser umständliche Umweg über einen Post, den sowieso niemand liest?
Und wenn hier eh nur noch Prompts kopiert und KI-Ausgaben gepostet werden, wo bleibt dann der Sinn des Ganzen? Soziale Netzwerke leben doch davon, dass Menschen etwas von sich zeigen. Ihre Gedanken, ihre Erfahrungen, ihren Humor. Genau das verschwindet, wenn alle denselben Generator verwenden. Wo bleibt da die Menschlichkeit und wo der eigene Charakter?
Ich kann verstehen, dass vielen Menschen die KI gerade, mit Verlaub, „auf den Sack geht“. Dabei liegt das Problem nicht bei der KI selbst. Sie macht, was man ihr sagt. Das Problem sind wir Menschen und das, was wir mit ihr anstellen. Masse statt Klasse, weil es so schnell und so billig geht.
Und hier spanne ich wieder den Bogen zur eingangs erwähnten Pionierzeit des Internets. Auch damals herrschte Goldgräberstimmung. Jeder wollte dabei sein. Firmen mit „.com“ im Namen wurden an der Börse gefeiert. Um das Jahr 2000 platzte dann die Dotcom-Blase. Danach hat sich das alles irgendwann beruhigt. Die blinkenden Webseiten sind nach und nach verschwunden und geblieben ist etwas, auf das heute niemand mehr verzichten kann. Das Internet, wie wir es kennen und täglich nutzen.
Das Gleiche werden wir, so hoffe ich, auch mit dem KI-Boom erleben. Auf die heutige Wildwest-Goldgräber-Stimmung wird irgendwann ein großer Knall folgen. Wenn sich der Rauch verzogen hat, wird die Stimmung eine andere sein. An KI-generierten Bildern und schlechten Texten werden wir uns bis dahin alle sattgesehen haben. Der Reiz des Neuen ist dann auch weg.
Bleiben wird hoffentlich das, was KI eigentlich sein sollte: Ein Werkzeug, das der Menschheit einen echten Nutzen bringt, wenn es richtig und vernünftig eingesetzt wird. Wenn uns KI hilft, Krankheiten zu heilen, Energieprobleme zu lösen oder neue, handfeste und umweltschonendere Technologien zu entwickeln, dann hätten wir alle etwas davon. Das, oder sie wird zu Skynet und versucht, die Menschheit auszulöschen.
Aber Spaß beiseite: Wir bei dynamitec sehen KI nicht als Slop-Generator, sondern als das, was sie sein sollte. Ein Werkzeug, das uns hilft, besser zu testen, Prozesse zu verbessern und wiederkehrende, zeitraubende Handarbeit abzunehmen. So bleibt mehr Zeit für das, was keine KI ersetzen kann. Eigenes Denken und gute Ideen.